Schichtwechsel in den CJD Erfurter Werkstätten
Post verteilen, Akten sortieren, laminieren und zwischendurch einmal auf dem Chefsessel Platz nehmen: Beim Schichtwechsel tauscht Corina Löffel ihren Arbeitsplatz in den Erfurter Werkstätten gegen einen Tag bei der Agentur für Arbeit in Erfurt. Was als Perspektivwechsel beginnt, wird für die 47-Jährige zu einer ziemlich persönlichen Erkenntnis.
Für Corina Löffel beginnt dieser Arbeitstag anders als sonst. Die 47-jährige Erfurterin und alleinerziehende Mutter eines Sohnes arbeitet normalerweise in der Montagegruppe der Erfurter Werkstätten. Dort konfektioniert sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen unterschiedliche Produkte.
Doch wenn schon Perspektivwechsel, dann richtig.
Einmal das ganze Arbeitsamt abrollen
Los geht es in der Poststelle. Corina übernimmt den Postdienst, verteilt Briefe im Haus und lernt dabei gleich Menschen, Wege und Abteilungen kennen. Auf ihren Wegen durch das Gebäude rollt sie von Abteilung zu Abteilung und sammelt dabei gleich viele neue Eindrücke.
Danach wird nicht lange zugeschaut, sondern angepackt: Corina sortiert Akten, laminiert, lernt organisatorische Abläufe kennen und schaut im Berufsinformationszentrum vorbei. Sie schnuppert in unterschiedliche Tätigkeitsfelder hinein und erlebt, wie vielfältig die Arbeit in der Agentur für Arbeit ist.
Auch das Büro der Geschäftsführung steht auf dem Programm. Am Schreibtisch von Irena Michel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt, nimmt Corina für einen Moment Platz und schaut hinter die Kulissen.
Kurz mal Chefin? Beim Schichtwechsel ausdrücklich erlaubt.
Viel wichtiger ist für Corina aber, wie selbstverständlich sie an diesem Tag einbezogen wird. „Ich bin begeistert, wie offen hier alle sind und was ich alles ausprobieren darf“, erzählt die sympathische Erfurterin mit einem Lächeln.
Moment mal: Das kann ich doch!
Und genau hier wird aus dem Schichtwechsel mehr als ein spannender Aktionstag. Denn Corina ist gelernte Bürohelferin.
Beim Sortieren, Verteilen und Organisieren merkt sie schnell, wie vertraut sich die Tätigkeiten anfühlen und wie viel Freude sie ihr machen. Der Tag erinnert sie an ihre beruflichen Wünsche, die sie gerne wieder stärker leben würde.
Die wichtigste Erkenntnis des Tages passt deshalb in einen ganz kurzen Satz: „Büroarbeit macht mir viel Spaß. Und das möchte ich wieder machen.“
Währenddessen: Kathrin tauscht Büro gegen Werkstatt
Ein Schichtwechsel funktioniert natürlich in beide Richtungen. Während Corina den Arbeitsalltag in der Agentur für Arbeit kennenlernt, macht sich Kathrin Stang auf den umgekehrten Weg.
Sie arbeitet sonst in der Reha-Vermittlung der Agentur für Arbeit und tauscht ihren Büroarbeitsplatz gegen den Werkstattalltag. Bei einem Rundgang über das Gelände lernt sie verschiedene Arbeitsbereiche kennen. Im Berufsbildungsbereich bekommt sie Einblicke in das Zusammensetzen von Motorenteilen, anschließend geht es in Corinas Montagebereich.
Hier heißt es für Kathrin ebenfalls: selbst mitmachen. Sie konfektioniert unterschiedliche Produkte, darunter Aufträge für die bevorstehende Weihnachtszeit.
Für Kathrin sind es „viele spannende Einblicke in die Tätigkeit der Erfurter Werkstätten“.
Gerade als Reha-Vermittlerin ist der Blick hinter die Kulissen besonders wertvoll. Denn Arbeitsbereiche beruflich zu kennen, ist das eine. Selbst zu erleben, wie vielfältig die Tätigkeiten sind, welche Fähigkeiten dafür gebraucht werden und wie das Miteinander funktioniert, ist etwas anderes.
Zwei Arbeitswelten. Zwei Frauen. Ein wertvoller Tausch.
Am Ende nehmen beide mehr mit als neue Handgriffe.
Kathrin gewinnt einen unmittelbaren Eindruck davon, wie in den Erfurter Werkstätten gearbeitet, gelernt und gemeinsam angepackt wird.
Und Corina? Sie hat ein Stück ihrer beruflichen Zukunft wiederentdeckt.
Genau darin liegt die Stärke des Schichtwechsels: Arbeitswelten kommen zusammen, Fähigkeiten werden sichtbar und aus neuen Erfahrungen können neue Perspektiven entstehen.
Denn berufliche Teilhabe beginnt dort, wo Menschen die Chance bekommen, zu zeigen, was sie können.
Für Corina könnte dieser eine Tag deshalb mehr gewesen sein als ein Ausflug in eine andere Arbeitswelt. Vielleicht war er ein kleiner Schritt zurück zu einer Tätigkeit, die sie gelernt hat und die ihr richtig Spaß macht.
Manchmal braucht es eben nur einen Schichtwechsel, damit aus einer neuen Perspektive plötzlich ein neuer Plan wird.